Berliner Energieagentur erstellt energetisches Quartierskonzept für die „Green Health City“ Berlin-Buch

Berlin
12. December 2017
  • Berliner Energieagentur, LK Argus und BSM prüfen Maßnahmen für den nachhaltigen Stadtumbau und die Sektorenkopplung
  • Erfahrungen, Möglichkeiten und Ideen der ortsansässigen Unternehmen sollen im Konzept mit einfließen
  • Potenziale zur Nutzung von Photovoltaik, Solarthermie und Abwärme von Kälteerzeugungsanlagen werden untersucht

Die Berliner Energieagentur (BEA) entwickelt im Auftrag des Bezirksamtes Pankow sowie in Zusammenarbeit mit LK Argus und der BSM mbH ein energetisches Quartierskonzept für den Ortsteil Berlin-Buch. Darin werden praxistaugliche sowie umsetzungsorientierte Schritte für einen nachhaltigen Stadtumbau zur „Green Health City“ identifiziert und Möglichkeiten der Sektorenkopplung geprüft.

Mit welchen Maßnahmen lassen sich die Bereiche Energie und Mobilität zusammenbringen? Wie kann man den Anteil an erneuerbaren Energien erhöhen? Welche Synergien zwischen den Arealen Forschung, Kliniken und Wohnen sind möglich und wie können Neubauten in das energetische Gesamtkonzept integriert werden? Zu diesen Fragen werden die BEA und ihre Partner bis zum Sommer 2018 einen Katalog mit Handlungsempfehlungen erarbeiten und mit den ortsansässigen Unternehmen in mehreren Workshops diskutieren. Ziel dieser Veranstaltungen ist es, den Dialog und Austausch zwischen den aktiven Unternehmen zu fördern sowie deren Erfahrungen, Möglichkeiten und Ideen in das Projekt der „Green Health City“ Berlin-Buch einfließen zu lassen.

Zukünftig soll der Krankenpfleger aus Wandlitz oder die Wissenschaftlerin aus Friedrichshain schneller, sicherer und umweltschonender zur Klinik oder zum Forschungscampus gelangen. Daher stellen sich Fragen nach Parkflächen für Autos sowie nach Alternativen durch Umstieg auf das Fahrrad oder den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Um den gestiegenen Herausforderungen im Bereich der Mobilität Rechnung zu tragen, sollte zum Beispiel der Takt im ÖPNV verdichtet werden. Als weitere Ansätze werden ein zusätzlicher Halt der Regionalbahn am S-Bahnhof Buch und ein Fahrradleihsystem im gesamten Untersuchungsgebiet angestrebt. Ein Pilotprojekt mit Bahnhof, Forschungseinrichtungen und Kliniken soll in Kürze starten. Eine Ausweitung um Leih- und Ladestationen für E-Bikes könnte im Zusammenspiel mit erneuerbaren Energien die regionale Sektorenkopplung voranbringen.

Die BEA und ihre Partner untersuchen im energetischen Quartierskonzept, wo es ein Potenzial zur Installation von Photovoltaikanlagen gibt und wie der dezentral erzeugte Strom am besten vor Ort genutzt werden kann. Dabei spielen der bestehende Gebäudesektor und die bereits vorhandenen Energienetze eine wichtige Rolle. Ebenfalls untersucht wird, ob sich die Abwärme von Kälteerzeugungsanlagen zu Heizzwecken im Quartier eignet, wie sich die Effizienz der Fernwärme steigern lässt und wie man große Thermosolaranlagen in das bestehende Fernwärmenetz integrieren könnte.

Die Entwicklung von nachhaltigen und klimaneutralen Stadtquartieren gehört zu den Bausteinen des Energie- und Klimaschutzprogramms (BEK) des Berliner Senates, das derzeit zur Beschlussfassung dem Abgeordnetenhaus vorliegt. Bis zum Jahr 2050 soll die Stadt klimaneutral werden. Für energetische Quartierskonzepte können Mittel aus bestehenden KFW-Förderprogrammen abgerufen werden.

Berlin-Buch ist der nördlichste Ortsteil des Bezirks Pankow und grenzt unmittelbar an den brandenburgischen Landkreis Barnim. Standortprägend sind die Klinik- und Krankenhausanlagen verschiedener Träger wie Helios und Charité sowie der Forschungscampus mit seinen biomedizinischen Einrichtungen. Charakteristisch sind zudem Typenbausiedlungen und die Nachnutzung von denkmalgeschützten Anlagen wie das Ludwig-Hoffmann-Quartier. Von besonderer Bedeutung für die Energieversorgung des Stadtteils ist ein modernisiertes Heizkraftwerk der Vattenfall Wärme AG. Durch den S-Bahnhof und die schnelle Autobahnanbindung zum Berliner Ring treffen in Buch wachsende Pendlerströme aus der Berliner City und dem Brandenburger Umland aufeinander.